Ausgabe Nr. 13

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Architektur im Osmanischen Reich: Kulliyyen
- G. Yildirim -

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Als eines der langlebigsten Reiche der Geschichte hat das Osmanische Reich seine Fußabdrücke in verschiedenen Teilen der Welt hinterlassen. Während sei-ner Herrschaft, die über 600 Jahre währte, wurden Hunderte von prächtigen Gebäuden errichtet, die zugleich auch Manifestationen des Glaubenssystems der Osmanen waren. Da sie den Islam praktizierten, beinhaltete ihr architektonisches Vermächtnis - wie andere Teile ihrer Kultur auch - verschiedene Aspekte des islamischen Glaubens.
Viele Menschen sind der Auffassung, der Islam betone die Wichtigkeit der Anerkennung der Wunder Gottes durch die Meditation über verschiedene Aspekte der Ästhetik. In Übereinstimmung mit dieser Idee bemühen sich viele Muslime, ihr Umfeld so ästhetisch angenehm wie möglich zu gestalten. Die Verschönerung der Umwelt nimmt im Glauben einen wichtigen Platz ein. Für viele Muslime bildet die Stadt einen idealen Hintergrund, um die Existenz und die Wahrnehmung der Schönheit zu veranschaulichen. Wer sich der Aufgabe verschreibt, in die Verschönerung ihrer Umwelt zu investieren, kann sich der kurzfristigen und langfristigen Vorteile seines Tuns gewiss sein. Da es zu den spirituellen Zielen der Osmanen gehörte, die Gestaltung einer freundlichen Umwelt zu fördern, versuchten sie Aspekte der islamischen Metaphysik in die architektoni-schen Strukturen der damaligen Zeit zu integrieren. Dies ist einer der Gründe, warum die Schönheit der osmanischen Architektur seine Betrachter oft so verzaubert, denn architektonischen Raffinessen und ästhetischen Details wurde große Aufmerksamkeit geschenkt.

Ein besonderes Merkmal der osmanischen Architektur ist die auffällige Balance zwischen architektonischer Planung und Natur. Tatsächlich bildet die Übernahme von Details aus der Natur einen Leitgedanken, der auf der gesamten Skala osmanischer Architektur zu beobachten ist. In Peking z.B. wurden die Häuser in der gleichen Himmelsrichtung wie der Herrscherpalast errichtet. In osmani-schen Städten dagegen wurde die Ausrichtung anderer von Menschenhand geschaffener Strukturen beim Häuserbau nicht berücksichtigt. Zahlreiche Beispiele demonstrieren, wie sich osmanische Architekten stets bemühten, in Harmonie mit der Natur zu wirken.

Ein weiteres Charakteristikum osmanischer Städte ist die Balance zwischen Gebäuden, die neu errichtet und denen, die im Laufe der Zeit renoviert wurden. Baute eine Generation eine Stadt auf, errichtete sie keine Gebäude, die ewig überdauerten; denn der Gedanke, das Leben zukünf-tiger Generationen zu beherrschen, lag ihr fern. Diesen Standpunkt mag zwar nicht jeder gutheißen, er impliziert jedoch Offenheit für Wandel und Entwicklung. Auf der anderen Seite wurden im Industriegebiet der Städte an den bekanntesten Orten öffentliche Gebäude wie die Kulliyyen (sing.: Kulliyya) und die Bedestene errichtet. Auffällig ist hier, dass diese Gebäude so errichtet wurden, dass sie mehrere Jahrhunderte von Bestand waren. Der Gedanke, der hinter diesem Phänomen steckt, ist, dass diese Gebäude göttlichen Schutz auf sich ziehen sollten. Der Islam war von Anfang an der dominierende Faktor in der Gestaltung der osmanischen Städte. Deshalb stellten die Moscheen die bedeutendsten Strukturen innerhalb dieser Städte dar. Die Moscheen besaßen schwer definierbare und doch ansprechende Eigenheiten, die die Wertschätzung von Muslimen und Nicht-Muslimen gleichermaßen auf sich zogen. Die Moscheen, die oft durch ihre Kuppeln auffielen, beherrschten das Panorama vieler Städte. Mit Entstehung und der nachfolgenden Entwicklung des osmanischen Architekturstils in Bursa, Türkei, wurde eine neue Tradition begründet (1400-1460). Sultan Orhan stiftete Gelder für eine Madrasa (eine religiöse Schule, an der auch positive Wissenschaften gelehrt wurden) und eine Reihe von Gebäuden zur öffentlichen Nutzung, die einer Moschee angegliedert waren. Moschee und Madrasa miteinander zu verbinden, war eine alte islami-sche Tradition. Innovationen wie die Errichtung von öffentlichen Gebäuden wie einem Krankenhaus, einer Bibliothek, einem psychiatrischen Zentrum, einem Öffent-lichen Bad und einer Küchenanlage kamen jedoch häufiger vor, nachdem die Anzahl dieses Typs von Anlagen stieg. Denn die Moscheen waren Anlagen, die mehreren Zwecken gleichzeitig dienten, sie wurden für die Menschen zu einem Teil ihres täglichen Lebens. Dies ist einer der Gründe, warum die Kulliyyen zu einer Hauptstütze der osmanischen Kultur wurden.