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Als eines der langlebigsten Reiche der Geschichte
hat das Osmanische Reich seine Fußabdrücke in
verschiedenen Teilen der Welt hinterlassen. Während
sei-ner Herrschaft, die über 600 Jahre währte,
wurden Hunderte von prächtigen Gebäuden errichtet,
die zugleich auch Manifestationen des Glaubenssystems der
Osmanen waren. Da sie den Islam praktizierten, beinhaltete
ihr architektonisches Vermächtnis - wie andere Teile
ihrer Kultur auch - verschiedene Aspekte des islamischen
Glaubens.
Viele Menschen sind der Auffassung, der Islam betone die
Wichtigkeit der Anerkennung der Wunder Gottes durch die
Meditation über verschiedene Aspekte der Ästhetik.
In Übereinstimmung mit dieser Idee bemühen sich
viele Muslime, ihr Umfeld so ästhetisch angenehm wie
möglich zu gestalten. Die Verschönerung der Umwelt
nimmt im Glauben einen wichtigen Platz ein. Für viele
Muslime bildet die Stadt einen idealen Hintergrund, um die
Existenz und die Wahrnehmung der Schönheit zu veranschaulichen.
Wer sich der Aufgabe verschreibt, in die Verschönerung
ihrer Umwelt zu investieren, kann sich der kurzfristigen
und langfristigen Vorteile seines Tuns gewiss sein. Da es
zu den spirituellen Zielen der Osmanen gehörte, die
Gestaltung einer freundlichen Umwelt zu fördern, versuchten
sie Aspekte der islamischen Metaphysik in die architektoni-schen
Strukturen der damaligen Zeit zu integrieren. Dies ist einer
der Gründe, warum die Schönheit der osmanischen
Architektur seine Betrachter oft so verzaubert, denn architektonischen
Raffinessen und ästhetischen Details wurde große
Aufmerksamkeit geschenkt.
Ein besonderes Merkmal der osmanischen Architektur ist die
auffällige Balance zwischen architektonischer Planung
und Natur. Tatsächlich bildet die Übernahme von
Details aus der Natur einen Leitgedanken, der auf der gesamten
Skala osmanischer Architektur zu beobachten ist. In Peking
z.B. wurden die Häuser in der gleichen Himmelsrichtung
wie der Herrscherpalast errichtet. In osmani-schen Städten
dagegen wurde die Ausrichtung anderer von Menschenhand geschaffener
Strukturen beim Häuserbau nicht berücksichtigt.
Zahlreiche Beispiele demonstrieren, wie sich osmanische
Architekten stets bemühten, in Harmonie mit der Natur
zu wirken.
Ein weiteres Charakteristikum osmanischer Städte ist
die Balance zwischen Gebäuden, die neu errichtet und
denen, die im Laufe der Zeit renoviert wurden. Baute eine
Generation eine Stadt auf, errichtete sie keine Gebäude,
die ewig überdauerten; denn der Gedanke, das Leben
zukünf-tiger Generationen zu beherrschen, lag ihr fern.
Diesen Standpunkt mag zwar nicht jeder gutheißen,
er impliziert jedoch Offenheit für Wandel und Entwicklung.
Auf der anderen Seite wurden im Industriegebiet der Städte
an den bekanntesten Orten öffentliche Gebäude
wie die Kulliyyen (sing.: Kulliyya) und die Bedestene errichtet.
Auffällig ist hier, dass diese Gebäude so errichtet
wurden, dass sie mehrere Jahrhunderte von Bestand waren.
Der Gedanke, der hinter diesem Phänomen steckt, ist,
dass diese Gebäude göttlichen Schutz auf sich
ziehen sollten. Der Islam war von Anfang an der dominierende
Faktor in der Gestaltung der osmanischen Städte. Deshalb
stellten die Moscheen die bedeutendsten Strukturen innerhalb
dieser Städte dar. Die Moscheen besaßen schwer
definierbare und doch ansprechende Eigenheiten, die die
Wertschätzung von Muslimen und Nicht-Muslimen gleichermaßen
auf sich zogen. Die Moscheen, die oft durch ihre Kuppeln
auffielen, beherrschten das Panorama vieler Städte.
Mit Entstehung und der nachfolgenden Entwicklung des osmanischen
Architekturstils in Bursa, Türkei, wurde eine neue
Tradition begründet (1400-1460). Sultan Orhan stiftete
Gelder für eine Madrasa (eine religiöse Schule,
an der auch positive Wissenschaften gelehrt wurden) und
eine Reihe von Gebäuden zur öffentlichen Nutzung,
die einer Moschee angegliedert waren. Moschee und Madrasa
miteinander zu verbinden, war eine alte islami-sche Tradition.
Innovationen wie die Errichtung von öffentlichen Gebäuden
wie einem Krankenhaus, einer Bibliothek, einem psychiatrischen
Zentrum, einem Öffent-lichen Bad und einer Küchenanlage
kamen jedoch häufiger vor, nachdem die Anzahl dieses
Typs von Anlagen stieg. Denn die Moscheen waren Anlagen,
die mehreren Zwecken gleichzeitig dienten, sie wurden für
die Menschen zu einem Teil ihres täglichen Lebens.
Dies ist einer der Gründe, warum die Kulliyyen zu einer
Hauptstütze der osmanischen Kultur wurden.
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